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- Quellenbestand und -beurteilung
Im Bundesarchiv sind drei Bestände verschiedener behördlicher Stellen themenrelevant.[23] Sie fallen unter die Abteilung E: „Archiv des Bundesstaates ab 1848“. Unter der Signatur E 21 sind die Akten des Polizeiwesens von 1848 bis 1930 nach dem Pertinenzprinzip archiviert. Darin ist der Hauptteil der Akten über Zigeuner erfasst. Die verwaltungsinternen Dokumente befassen sich hauptsächlich mit Streitfällen der gesetzlichen und faktischen Vorgehensweise gegen Zigeuner sowie mit Berichten und organisatorischen Details. Diese Schriftstücke sind mitunter sehr subjektiv gehalten und besitzen dadurch einen hohen Wert für die mentalitätsgeschichtlichen Hintergründe zur Entstehung einer nationalen Grenzpolitik. Korrespondenzen mit Kantonen und diplomatischen Vertretungen im Ausland haben partiell anweisenden oder beratenden Charakter. Die stenographischen Verlaufsprotokolle der Jahreskonferenzen der kantonalen Polizeidirektoren zeigen die Schnittstellen der Kompetenzbereiche von Staat und Kantonen auf. Der Bestand E 11 umfasst das Zollwesen zwischen 1849 und 1896. Davon sind vor allem arbeitstechnische Dokumente wie Dienstreglemente, Inspektionsvorschriften oder Ausrüstungsfragen in die Arbeit eingeflossen. Die Akten zum Militärdepartement mit der Signatur E 27 enthalten einerseits Verordnungen und Bundesratsbeschlüsse, andererseits armeeinterne Korrespondenzen, die ebenfalls unter thematischen Gesichtspunkten archiviert wurden. Erstere bilden die juristischen Rahmenbedingungen sowie die Anstösse, die zu Veränderungen der bestehenden Verordnungen und Gesetze führten. Berichte von lokalen Truppeneinheiten und Inspektionen vermitteln einen Eindruck von den alltäglichen Grenzbewachungsproblemen. Zudem sind in den Berichterstattungen an das Armeekommando die numerischen Angaben zur Heerespolizei und zur Freiwilligen Bewachungstruppe aufgeführt.
Die Archivalien der Staatsarchive zum vorliegenden Thema erweisen sich vor allem in mikrohistorischer Hinsicht als interessante Dokumente. Im Staatsarchiv Basel-Stadt sind zahlreiche Polizeirapporte von Vorfällen mit Personen überliefert, die von den Beamten als Zigeuner klassifiziert wurden. Diese Meldungen zeigen einerseits, wie die polizeilichen Organe in ihrer Berufsausübung gegen Zigeuner vorgingen und welche Vorstellungen diesen Interventionen zugrunde lagen. Andererseits decken diese Texte die Bedeutung der kantonalen und nationalen Grenze im polizeilichen Vorgehen gegen Zigeuner auf. Neben den Polizeirapporten sind vorwiegend Kreisschreiben des JPD an die Polizeidirektionen der Kantone archiviert. Für das Staatsarchiv Luzern existieren zusätzlich Weisungen des kantonalen Polizeihauptmanns an die einzelnen Polizeibeamten, wie beim Auftreten von Zigeunern vorzugehen sei.
Die gedruckten Quellen setzten sich überwiegend aus Geschäfts- resp. Verwaltungsberichten zusammen. In diesen Berichten wurden ausgewählte Vorfälle des Jahres resümiert und statistische Angaben zum Personalbestand und zur Tätigkeit aufgelistet. Im jährlichen Geschäftsbericht des Bundesrates für die Zollabteilung des Finanz- und Zolldepartements finden sich Angaben über Aufgaben, Personal und Finanzen. Für die Geschäftsberichte der Polizeiabteilung des Justiz- und Polizeidepartements liegen neben häufigen Klagen über die unerwünschten Zigeuner auch Bestrebungen zu einer Vereinheitlichung des Vorgehens gegenüber einreisenden Zigeunern vor.[24]
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[22] Witschi, Peter: Minderheiten: Nichtsesshafte unter Sesshaften, in: Hugger, Paul (Hg.): Handbuch der schweizerischen Volkskultur, Zürich 1992, Bd. II, S. 837-846, hier S. 837.
[23] Einen generellen Überblick bietet die „Systematische Beständeübersicht“ des Schweizerischen Bundesarchivs (Hg.), Bern 1991, das von C. Graf et al. bearbeitet worden ist; darin: Polizeiwesen S. 109ff., Zollwesen S. 166, Landesverteidigung S. 121.
[24] Nicht nur in der Zigeunerfrage liessen sich starke Vereinheitlichungstendenzen feststellen, so etwa auch bei Währung und Gewicht, im Telegraphen- oder Postwesen. – Greyerz, Hans von: Der Bundesstaat seit 1848, in: Handbuch der Schweizer Geschichte, Zürich 1977, Bd. II, S. 1019-1268, hier S. 1028.
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