<?xml version='1.0' encoding='UTF-8'?><?xml-stylesheet href="http://www.blogger.com/styles/atom.css" type="text/css"?><feed xmlns='http://www.w3.org/2005/Atom' xmlns:openSearch='http://a9.com/-/spec/opensearchrss/1.0/' xmlns:georss='http://www.georss.org/georss' xmlns:gd='http://schemas.google.com/g/2005' xmlns:thr='http://purl.org/syndication/thread/1.0'><id>tag:blogger.com,1999:blog-22741260</id><updated>2011-04-21T17:13:40.948-07:00</updated><title type='text'>GRENZE IM RAUM - GRENZE IM KOPF</title><subtitle type='html'>KONZIPIERUNG UND REALISIERUNG EINER PERSONENBEZOGENEN BEWACHUNG DER SCHWEIZERISCHEN LANDESGRENZE 1888-1920 IM KONTEXT ANZIZIGANISTISCHER RESTRIKTIONEN</subtitle><link rel='http://schemas.google.com/g/2005#feed' type='application/atom+xml' href='http://border-patrol0.blogspot.com/feeds/posts/default'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/22741260/posts/default?max-results=100'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://border-patrol0.blogspot.com/'/><link rel='hub' href='http://pubsubhubbub.appspot.com/'/><author><name>-</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><generator version='7.00' uri='http://www.blogger.com'>Blogger</generator><openSearch:totalResults>3</openSearch:totalResults><openSearch:startIndex>1</openSearch:startIndex><openSearch:itemsPerPage>100</openSearch:itemsPerPage><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-22741260.post-114114073681484456</id><published>2006-02-28T07:31:00.001-08:00</published><updated>2006-02-28T07:32:16.820-08:00</updated><title type='text'>1. MENSCHEN AN DER GRENZE</title><content type='html'>&lt;dl&gt; &lt;dt&gt;1&lt;/dt&gt;&lt;dd style="font-weight: bold;"&gt; Menschen an der Grenze:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;der Prozess von einer offenen zu einer personenbezogenen Grenze&lt;/dd&gt; &lt;/dl&gt; Die vorliegende Arbeit untersucht die Konzipierung und Realisierung einer personenbezogenen Grenzpolitik im schweizerischen Bundesstaat. Mit der Gründung von 1848 setzte sich der liberale Gedanke einer grenzüberschreitenden Freizügigkeit im Personenverkehr durch. In der Verfassungsrevision von 1874 wurde die Niederlassungsfreiheit schliesslich festgeschrieben. Die Liberalisierung des Niederlassungsrechts war ein Mittel, im Innern den Konfessionsfrieden und zugleich das Konstrukt einer christlichen Schweiz herzustellen. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wichen die Behörden erstmals von ihrer vormaligen Grundhaltung ab. Die restriktiven Schritte gegen bestimmte Personengruppen fanden ihren Niederschlag in der veränderten Organisation der Grenzbewachung, die das Funktionsverständnis der Landesgrenze verkörpert. Von den Behörden als „Zigeuner“ angesehene Personen bildeten die ersten Objekte einer personenbezogenen Grenzbewachung. „Zigeuner“ sind als Konstrukte der herrschaftlichen Definitionsmacht zu verstehen und werden hier im historischen Prozess der Grenzpolitik betrachtet. Sie korrespondieren nicht mit den ethnischen Gruppen der Roma. Aus diesem Grund besitzt der Begriff hier einen neutralen Gehalt, der nichts mit dem heutigen abwertenden Stereotyp gegen nichtsesshafte Personen gemeinsam hat. Die Abwehr dieser Personen bildete nach einer liberalen Phase der Freizügigkeit den Ausgangspunkt einer sukzessiv auf andere Personengruppen ausdehnten Abwehrpolitik an der Landesgrenze.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Politische Grenzen sind menschliche Erzeugnisse, deren Funktionen sich im historischen Prozess wandeln. Die Gestaltbarkeit von Grenzen ermöglicht es dem Staat, eine Politik der Grenze zu formulieren und umzusetzen. Als Grenzpolitik werden hier alle Verwaltungsmassnahmen verstanden, die ein Staat bezüglich seiner Grenze ergreift oder zu ergreifen sucht. Unternimmt ein Staat Massnahmen, um die in den begrenzten Raum eintretenden Menschen einer qualitativen Auswahl zu unterziehen, handelt es sich um eine selektive Grenzpolitik. Die personenbezogene Bewachung der Grenze verlangt, dass Kriterien festgeschrieben werden, die bestimmen, welche Menschen in den begrenzten Raum hineinkommen dürfen und welche nicht. Mit der Formulierung von Einreisekriterien legen die Träger staatlicher Gewalt den normativen Horizont ihrer Grenzpolitik fest, den die Grenzbewachung in die Praxis umsetzt. Damit stehen für die Untersuchung zwei Analysefragen im Vordergrund, aus denen sich der Wandel der personenbezogenen Grenzpolitik in der Schweiz zwischen 1888 und 1920 erschliessen lässt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Einreisekriterien: &lt;span style="font-style: italic;"&gt;Welche Kriterien bestanden, bestimmten Personen den Eintritt in die Schweiz zu verweigern?&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;Grenzbewachung: &lt;span style="font-style: italic;"&gt;Wie gestaltete sich die Realisierung des gesetzlichen Bedingungsrahmens in der Praxis der Grenzbewachung?&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Untersuchung der Funktionsverschiebung, welche die Grenze im untersuchten Zeitraum erfährt, orientiert sich primär an den involvierten Akteuren, die zuerst eine Absicht zur Abgrenzung und Bewachung entwickeln. Der Ausgangspunkt einer Untersuchung der Grenzfunktion eines Staatsgebildes liegt demnach bei den herrschaftlichen Institutionen, wie Lucien Fèbvre konstatiert: „ Nicht von der Grenze […] muss man ausgehen, um sie zu erforschen, sondern vom Staat.“[1] Denn die staatlichen Akteure sind Produzenten der Vorstellungen und Realität von Landesgrenzen und verleihen dem Grenzraum eine bestimmte Funktion. Insbesondere Vertreter des Justiz- und Polizeidepartements (JPD) und des Finanz- und Zolldepartements (FZD) befassten sich mit Fragen von Einreisebestimmungen und Grenzbewachung. Später trat das Militärdepartement (MD) hinzu. Als Untersuchungsräume mikrohistorischer Ereignisse und kantonaler Strategien gegen Zigeuner wurde zum einen der Grenzkanton Basel-Stadt gewählt, weil ein Teil seiner Kantonsgrenze zugleich einen Landesgrenzabschnitt bildet. Komplementär dazu steht der Innerschweizer Kanton Luzern, der zudem eine sehr aktive Zigeunerpolitik betrieb.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die ersten Jahrzehnte nach der Gründung des schweizerischen Bundesstaates standen ganz unter dem Paradigma der bilateralen Niederlassungsfreiheit. Im Gegenseitigkeitsverhältnis garantierten die Bundesbehörden den Angehörigen fremder Staaten, sich frei über die Landesgrenze zu bewegen, wobei den Juden erst 1860 das Niederlassungsrecht zugestanden wurde. Vorerst waren es ausschliesslich die kantonalen Grenzen, die im Fokus restriktiver Intentionen gegen bestimmte Menschen waren, während sich die grenzpolitische Gestaltung der Landesgrenze weitgehend am freizügigen Prinzip orientierte. Dies änderte sich im Jahre 1888, als den ostschweizerischen Grenzwächtern vom JPD die Weisung erteilt wurde, Zigeuner direkt an der Landesgrenze zurückzuweisen. Dieser Entscheid markierte den Beginn einer Verlagerung hin zu einer systematischen personenbezogenen Grenzbewachung.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Während die als Zigeuner bezeichneten Personen seit dem Mittelalter gezielt Opfer von physischer Gewalt geworden waren, setzte die bürgerliche Rechtsordnung im nationalstaatlichen Europa des 19. Jahrhunderts andersartige Mittel im Umgang mit diesen ihnen unliebsamen Menschen ein. Der sich seit den ersten Erwähnungen von Zigeunern ständig verändernde Gehalt des Begriffs behielt bis ins 20. Jahrhundert als einzige Kontinuität seine negative Konnotation bei. Über diesen langen Zeitraum hinweg entschieden soziale, politische und rechtstheoretische Konstellationen über die Art und Weise, wie sich die Beziehung zwischen der ansässigen Bevölkerung und den als Zigeuner verunglimpften Personen gestaltete. Während im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit im deutschsprachigen Raum vielerorts abschreckende Symbole und Betteljagden Zigeuner davon abhalten sollten, einen Fuss in ein bestimmtes Gebiet zu setzen, führten die unter rechtstaatlichen Verhältnissen eingesetzten Mittel im Verlauf des 19. Jahrhunderts vom Körper weg. Die Etablierung einer restriktiven Einreisepolitik gegen Zigeuner war ein derartiges Mittel. Doch was machte einen Menschen in den Augen der schweizerischen Behörden zu einem Zigeuner? Vor diese Frage, deren Beantwortung im ersten Kapitel nachgegangen wird, sahen sich auch die Behörden des Justiz- und Polizeidepartements gestellt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Bis zur Jahrhundertwende fand die Auseinandersetzung der Polizeiorgane mit Zigeunern grösstenteils auf kantonaler Ebene statt. Die Etablierung einer nationalen Zigeunerpolitik sollte die ungleichen kantonalen Restriktionen beheben, was zum einen den Auftakt zu einem systematischen Ausweisungsverfahren markierte, zum anderen Ansätze zur Behebung des Kernproblems in einem internationalen Kontext generierte. Die Ausdehnung der antiziganistischen Grenzpolitik von der kantonalen zur nationalen Grenze und darüber hinaus wird im zweiten Kapitel thematisiert.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der Prozess der Funktionsveränderung der Grenze war das Ergebnis einer vom Bund betriebenen Zigeunerpolitik, in deren Fortgang die Bedeutung der Landesgrenze immer stärker in den Vordergrund rückte. Der Konzipierung einer systematischen personenbezogenen Grenzpolitik durch die Behörden in Bern stand die Umsetzung in der Praxis gegenüber. Zunächst waren es vor allem die kantonalen Polizeibehörden, die restriktive Schritte gegen Zigeuner unternahmen. Diese schon vor der Gründung des Bundesstaates feststellbare Verzahnung von Polizei und Zigeunern hatte ihre Hauptursache in der Selbstwahrnehmung der Polizei hinsichtlich ihrer Aufgaben und der damit verbundenen Kriminalisierung von nichtsesshaften Menschen. Die Überwachung von Recht und Ordnung auf den Landstrassen rückte im Gefolge des Ausbaus polizeilicher Präsenz immer stärker in den Brennpunkt. Neben den polizeilichen Interventionen, die einerseits von den einzelnen Kantonspolizeien, andererseits vom sich im Aufbau befindlichen Justiz- und Polizeidepartement des Bundes ausgingen, traten die Grenzwächter als Hüter der Trennlinie zwischen Eigenem und Fremdem verstärkt in den Mittelpunkt antiziganistischer Anstrengungen: Sie waren ausführende Organe der politischen Praktiken an der Landesgrenze. Die straffere Organisation und die personelle Entwicklung des 1894 unter gesamteidgenössischer Führung zusammengefassten Grenzwachtkorps waren mitunter eine Folge der veränderten Vorstellungen dessen, was eine Grenze für die staatliche Herrschaft bedeute und wie sie zur Erfüllung der für sie vorgesehenen Funktionen gestaltet werden sollte. Der Umsetzung der Einreisesperre durch Polizei und Grenzwachtkorps wird im dritten Kapitel nachgegangen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Unter den Bedingungen des Ersten Weltkrieges veränderte sich die personenbezogene Grenzpolitik grundsätzlich, denn die gesetzlichen Einreisebeschränkungen richteten sich nun nicht mehr einzig gegen Zigeuner: Nunmehr waren alle Einreisenden den selektiven Kontrollmechanismen unterworfen. In der Praxis traten neben den Polizeiorganen und dem Grenzwachtkorps insbesondere zwei militärische Truppengattungen in den Mittelpunkt: die Heerespolizei und die Freiwillige Bewachungstruppe, die nach Kriegsende für die personenbezogene Grenzbewachung eingesetzt wurde. Die Ausweitung der Einreisekriterien und die Umsetzung der neuen Bestimmungen bilden den Gegenstand des vierten Kapitels.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Im fünften Kapitel wird die Entwicklung der grenzpolitischen Situation nach dem Krieg untersucht. Die Reorganisation der Grenzbewachung nach dem Krieg vollzog sich unter dem Eindruck einer schwelenden Überfremdungsangst. Zur Sicherstellung der restriktiven Einreisebestimmungen hielten es die Bundesbehörden für angebracht, die personenbezogene Grenzbewachung im Vergleich zur Vorkriegszeit massiv zu erhöhen. Die verschärfte Grenzbewachung war ein räumlicher Ausdruck des veränderten Funktionsverständnisses der Landesgrenze und der Haltung des Staates gegen Fremde.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;--------------&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-size:85%;"&gt;[1] Zur Untersuchung der Grenze als historisches Phänomen Fèbvre 1988, S. 32.&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/22741260-114114073681484456?l=border-patrol0.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/22741260/posts/default/114114073681484456'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/22741260/posts/default/114114073681484456'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://border-patrol0.blogspot.com/2006/02/1-menschen-der-grenze_28.html' title='1. MENSCHEN AN DER GRENZE'/><author><name>-</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-22741260.post-114114067647788304</id><published>2006-02-28T07:31:00.000-08:00</published><updated>2006-02-28T07:31:16.486-08:00</updated><title type='text'>2. FORSCHUNGSSTAND</title><content type='html'>&lt;span style="font-weight: bold;"&gt; &lt;dl compact="compact"&gt;&lt;dt&gt;2&lt;/dt&gt;&lt;dd&gt;Forschungsstand&lt;/dd&gt;&lt;/dl&gt;&lt;/span&gt; &lt;span style="font-weight: bold;"&gt;&lt;span style="font-weight: normal;"&gt;Die Geschichte der Zigeuner wird in der aktuellen Forschung breit diskutiert. Nicht zuletzt als Folge der Emanzipation der Jenischen in der Schweiz und der historischen Aufarbeitung der Roma als Opfer der nationalsozialistischen Gräueltaten ist ein verstärktes Interesse am Schicksal dieser Minderheiten entstanden. Ebenso dürfte der Umstand, dass im historischen Diskurs vermehrt auch die Ausgestossenen der Normgesellschaft ins Zentrum der Aufmerksamkeit gestellt werden, von erheblicher Bedeutung gewesen sein. Darin treten sowohl die Opfer der Normierungstechniken als auch die wissenschaftlichen und institutionellen Rahmenbedingungen für die Entstehung derartiger Praktiken in den Blickpunkt historischer Studien. Die als „Zigeuner“ deklassierten Personen gelangten als Objekte der Polarisierung in „normale“ und davon „abweichende“ Menschen in den Fokus historiographischer Betrachtung. &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; &lt;span style="font-weight: bold;"&gt;&lt;span style="font-weight: normal;"&gt;Zurzeit läuft im Rahmen des Nationalen Forschungsprogramms Nr. 51 („Integration und Ausschluss“) das Teilprojekt „Unterwegs zwischen Verfolgung und Anerkennung – Formen und Sichtweisen der Ausgrenzung und der Integration von Jenischen, Sinti und Roma in der Schweiz (19. und 20. Jahrhundert)“ unter der Leitung von Thomas Huonker. Dabei sollen die „verschiedenen Phasen der Ausgrenzung respektive Integration von Jenischen, Roma und Sinti im Gebiet der Schweiz und der Grenzregionen“ mit einem minderheitsperspektivischen Ansatz analysiert werden.&lt;span style="font-size:78%;"&gt;[2]&lt;/span&gt; Fahrende Menschen erscheinen nicht bloss als Objekte von obrigkeitlichen Handlungen, sondern als aktive Subjekte. Daraus ergibt sich die methodische Ausrichtung des Projektes, auch Selbstzeugnisse und Interviews einzubeziehen. Dieses innovative Projekt wird zweifellos weiteren Aufschluss über die Lebens- und Leidensgeschichte dieser ethnischen Minderheiten in der Schweiz liefern. Projektleiter Thomas Huonker hat zusammen mit Regula Ludi im Rahmen der „Unabhängigen Expertenkommission Schweiz – Zweiter Weltkrieg“ in teilweise minutiöser Detailtreue die flüchtlingspolitische Situation der Roma, Sinti und Jenischen erarbeitet. Dabei gehen die Verfasser der starken Präsenz der Nichtsesshaften in politischen, polizeilichen und psychiatrischen Diskursen ebenso auf den Grund wie ihrer Positionierung in einem durch Zwang errichteten bürgerlichen Rahmen, der bereits vor dem Zweiten Weltkrieg zur Exklusion von Zigeunern geführt hatte.&lt;span style="font-size:78%;"&gt;[3]&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; &lt;span style="font-weight: bold;"&gt;&lt;span style="font-weight: normal;"&gt;Zum quellensprachlichen Begriff ‚Zigeuner’ besteht neben eigens für das Gebiet der Schweiz angefertigten Studien insbesondere in Deutschland eine intensiv geführte Debatte um die Frage der ethnischen Homogenität der mit diesem Ausdruck bezeichneten Personen. Leo Lucassen hat in seiner grundlegenden Studie den Nachweis erbracht, dass sich der Begriff ‚Zigeuner’ zu Beginn des 20. Jahrhunderts keineswegs auf die Ethnien der Roma beschränkte.&lt;span style="font-size:78%;"&gt;[4]&lt;/span&gt; Zudem hat er auf die zentrale Bedeutung der polizeilichen Institutionen für die Konstituierung einer Zigeunerpolitik hingewiesen. Auch hinsichtlich des Verhaltens der sesshaften Mehrheit gegenüber den fahrenden Minderheiten kann diese Arbeit auf eine breite Literaturbasis zurückgreifen.&lt;span style="font-size:78%;"&gt;[5]&lt;/span&gt; &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt; &lt;span style="font-weight: bold;"&gt;&lt;span style="font-weight: normal;"&gt;Für die Schweizer Geschichte der ethnischen Gruppen innerhalb der Etikettierungskategorie „Zigeuner“ ist die Arbeit von Clo Meyer über die Jenischen im Kanton Graubünden relevant.&lt;span style="font-size:78%;"&gt;[6]&lt;/span&gt; Thomas Meier und Rolf Wolfensberger thematisieren die Homogenisierungstechniken gegenüber Heimatlosen in der Schweiz vom 16. bis zum 19. Jahrhundert.&lt;span style="font-size:78%;"&gt;[7]&lt;/span&gt; Mit der Politik der Schweiz gegenüber ausländischen Zigeunern vor dem Ersten Weltkrieg hat sich Franz Egger befasst.&lt;span style="font-size:78%;"&gt;[8]&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; &lt;span style="font-weight: bold;"&gt;&lt;span style="font-weight: normal;"&gt;Zum „Überfremdungsdiskurs“ in der Schweiz existiert eine ältere Arbeit von Rudolf Schlaepfer, welche die Grundlinien der schweizerischen Ausländerpolitik vor dem Ersten Weltkrieg skizziert.[9] Patrick Kury hat jüngst eine diskursanalytische Studie zum Überfremdungsbegriff und dessen Verwendungsfeldern vorgelegt.[10] Weiter ist auf die Forschungstätigkeit von Gérald Arlettaz hinzuweisen, der teilweise in Zusammenarbeit mit Sylvia Arlettaz die Bedeutung des Ersten Weltkrieges für die schweizerische Ausländerpolitik und den innergesellschaftlichen Einigungsprozess aufzeigt.[11] Die im Kontext der Ausländerpolitik entstandene Institution der Eidgenössischen Fremdenpolizei wurde von Uriel Gast bearbeitet.[12]&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; &lt;span style="font-weight: bold;"&gt;&lt;span style="font-weight: normal;"&gt;Zur Geschichte der kantonalen Polizeiinstitutionen sind mehrheitlich Jubiläumsschriften mit nur geringem wissenschaftlichem Gehalt erschienen.[13] Eine Ausnahme bildet die neue Arbeit von Franz Kiener zur Geschichte der Polizei im Kanton Luzern.[14] Eine umfassende, unter wissenschaftlichen Leitlinien basierende Arbeit über die Polizei in der Schweiz steht allerdings noch aus, wie Karl Ebnöther in seinem zentralen Literaturaufsatz zur schweizerischen Polizeigeschichte festgestellt hat.[15] Ähnliches gilt auch für die Geschichte des eidgenössischen Grenzwachtkorps. Bislang liegt lediglich die Jubiläumsschrift von Alfred Kuert anlässlich des 100-jährigen Bestehens vor.[16]&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; &lt;span style="font-weight: bold;"&gt;&lt;span style="font-weight: normal;"&gt;Der von Waltraud Heindl und Edith Saurer herausgegebene Sammelband erweist sich als wertvolle Grundlage zu den vielfältigen staatlichen Konzeptionen der ‚Grenze’ und den Lebensbedingungen in den Grenzräumen selbst.[17] Die klassischen Texte von Georg Simmel, Niklas Luhmann und Lucien Fèbvre über die soziologische und historische Bedeutung von Grenzen für die staatliche Herrschaft stehen einer Vielzahl von neueren Texten gegenüber, die das Thema ‚Grenze’ aus sehr unterschiedlichen Perspektiven beleuchten.[18] Eine Deutung räumlicher Anordnungen der Gesellschaft unternimmt David Sibley, indem er eine Theorie für die Strategien und Techniken räumlicher Platzierungen erarbeitet.[19] Die verschiedenen Typen von Grenzen als kulturelle Kodifizierungen wie auch die Bedeutung der verschiedenen Grenzkonzeptionen für die Forschung sind von Jürgen Osterhammel dargestellt worden.[20] Mit Begrenzungs- und Abgrenzungsstrategien hat sich auch Michel Foucault auseinandergesetzt, bei dem die Aneignungs- und Sanktionierungsprozesse der abweichenden Personen durch die normierende Macht im Vordergrund stehen.[21]&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; &lt;span style="font-weight: bold;"&gt;&lt;span style="font-weight: normal;"&gt;--------------&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight: bold;"&gt; &lt;div style="text-align: justify;"&gt;&lt;span style="font-weight: normal;font-size:85%;" &gt;[2] Projektskizzierung zum NFP 51, 8. Mai 2003 (Bewilligungserteilung), S. 1.&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; &lt;span style="font-weight: bold;"&gt; &lt;div style="text-align: justify;"&gt;&lt;span style="font-weight: normal;font-size:85%;" &gt;[3] Huonker, Thomas; Ludi, Regula (Hg.): Roma, Sinti und Jenische – Schweizerische Zigeunerpolitik zur Zeit des Nationalsozialismus, Zürich 2001. – Huonker, Thomas: Fahrendes Volk – verfolgt und verfemt; Jenische Lebensläufe, Zürich 1987.&lt;/span&gt;&lt;/div&gt; &lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; &lt;span style="font-weight: bold;"&gt; &lt;div style="text-align: justify;"&gt;&lt;span style="font-weight: normal;font-size:85%;" &gt;[4] Lucassen, Leo: Zigeuner – Die Geschichte eines polizeilichen Ordnungsbegriffes in Deutschland 1700-1945, Köln 1996.&lt;/span&gt;&lt;/div&gt; &lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; &lt;span style="font-weight: bold;"&gt; &lt;div style="text-align: justify;"&gt;&lt;span style="font-weight: normal;font-size:85%;" &gt;[5] Bonillo, Marion: „Zigeunerpolitik“ im Deutschen Kaiserreich 1871-1918, Frankfurt a. M. 2001. – Hehemann, Rainer: Die „Bekämpfung des Zigeunerunwesens“ im Wilhelminischen Deutschland und in der Weimarer Republik, 1871-1933, Frankfurt a. M. 1987. – Lucassen, Leo: „Zigeuner“ in Deutschland 1870-1945: ein kritischer historiographischer Ansatz, in: 1999 – Zeitschrift für Sozialgeschichte des 20. und 21. Jahrhunderts 10 (1995), S. 82-100. – Älter: Soest, G.: Zigeuner zwischen Verfolgung und Integration: Geschichte, Lebensbedingungen und Eingliederungsversuche, Weinheim 1979. &lt;/span&gt;&lt;/div&gt; &lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; &lt;span style="font-weight: bold;"&gt; &lt;div style="text-align: justify;"&gt;&lt;span style="font-weight: normal;font-size:85%;" &gt;[6] Meyer, Clo: „Unkraut“ der Landstrasse – Industriegesellschaft und Nichtsesshaftigkeit am Beispiel der Wandersippen und der schweizerischen Politik an den Bündner Jenischen vom Ende des 18. Jahrhunderts bis zum 1. Weltkrieg, Zürich 1983.&lt;/span&gt;&lt;/div&gt; &lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; &lt;span style="font-weight: bold;"&gt; &lt;div style="text-align: justify;"&gt;&lt;span style="font-weight: normal;font-size:85%;" &gt;[7] Meier, Dominik; Wolfensberger, Rolf: „Eine Heimat und doch keine“ – Heimatlose und Nicht-Sesshafte in der Schweiz (16.-19. Jahrhundert), Zürich 1998.&lt;/span&gt;&lt;/div&gt; &lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; &lt;span style="font-weight: bold;"&gt; &lt;div style="text-align: justify;"&gt;&lt;span style="font-weight: normal;font-size:85%;" &gt;[8] Egger, Franz: Der Bundesstaat und die fremden Zigeuner in der Zeit von 1848 bis 1914, in: Studien und Quellen 8 (1982), S. 49-70.&lt;/span&gt;&lt;/div&gt; &lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; &lt;span style="font-weight: bold;"&gt; &lt;div style="text-align: justify;"&gt;&lt;span style="font-weight: normal;font-size:85%;" &gt;[9] Schlaepfer, Rudolf: Die Ausländerfrage in der Schweiz vor dem ersten Weltkrieg, Diss. Phil.-Hist. Fak. Universität Zürich 1969.&lt;/span&gt;&lt;/div&gt; &lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; &lt;span style="font-weight: bold;"&gt; &lt;div style="text-align: justify;"&gt;&lt;span style="font-weight: normal;font-size:85%;" &gt;[10] Kury, Patrick: Über Fremde reden – Überfremdungsdiskurs und Ausgrenzung in der Schweiz 1900-1945, Zürich 2003.&lt;/span&gt;&lt;/div&gt; &lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; &lt;span style="font-weight: bold;"&gt; &lt;div style="text-align: justify;"&gt;&lt;span style="font-weight: normal;font-size:85%;" &gt;[11] Arlettaz, Gérald: Démographie et identité nationale (1850-1914) – La Suisse et „La question des étrangers“, in : Studien und Quellen 11 (1985), S. 83-115. – Arlettaz, Gérald: Les effets de la première guerre mondiale sur l’intégration des étrangers en Suisse, in: Relations Internationales 54 (1988), S. 161-179. – Arlettaz, Gérald u. Sylvia : La Première Guerre mondiale et l’émergence d’une politique migratoire interventionniste, in: Beiroch, Paul; Körner, Martin (Hg.): Die Schweiz in der Weltwirtschaft, Zürich 1990, S. 319-337. – Arlettaz, Gérald u. Sylvia : Les chambres fédérales face à la présence et à l’immigration étrangères (1914-1922), in: Studien und Quellen 16/17 (1990/1991), S. 9-157.&lt;/span&gt;&lt;/div&gt; &lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; &lt;span style="font-weight: bold;"&gt; &lt;div style="text-align: justify;"&gt;&lt;span style="font-weight: normal;font-size:85%;" &gt;[12] Gast, Uriel: Von der Kontrolle zur Abwehr – Die eidgenössische Fremdenpolizei im Spannungsfeld von Politik und Wirtschaft 1915-1933, Zürich 1997.&lt;/span&gt;&lt;/div&gt; &lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; &lt;span style="font-weight: bold;"&gt; &lt;div style="text-align: justify;"&gt;&lt;span style="font-weight: normal;font-size:85%;" &gt;[13] Dazu: Ebnöther, Karl: Polizeigeschichte in der Schweiz, in: Schweizerische Zeitschrift für Geschichte 45 (1995), S. 458-489. &lt;/span&gt;&lt;/div&gt; &lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; &lt;span style="font-weight: bold;"&gt; &lt;div style="text-align: justify;"&gt;&lt;span style="font-weight: normal;font-size:85%;" &gt;[14] Kiener, Franz: Im Einsatz für Sicherheit, Ruhe und Ordnung: die Kantonspolizei Luzern 1803-2003, Luzern 2003.&lt;/span&gt;&lt;/div&gt; &lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; &lt;span style="font-weight: bold;"&gt; &lt;div style="text-align: justify;"&gt;&lt;span style="font-weight: normal;font-size:85%;" &gt;[15] Ebnöther 1995.&lt;/span&gt;&lt;/div&gt; &lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; &lt;span style="font-weight: bold;"&gt; &lt;div style="text-align: justify;"&gt;&lt;span style="font-weight: normal;font-size:85%;" &gt;[16] Kuert, Alfred: Aus der Geschichte des Grenzwachtkorps, in: Zoll-Rundschau 2 (1994), Sonderausgabe, das Grenzwachtkorps 1894-1994, S. 13-89.&lt;/span&gt;&lt;/div&gt; &lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; &lt;span style="font-weight: bold;"&gt; &lt;div style="text-align: justify;"&gt;&lt;span style="font-weight: normal;font-size:85%;" &gt;[17] Heindl, Waltraud; Saurer, Edith (Hg.): Grenze und Staat – Passwesen, Staatsbürgerschaft, Heimatrecht und Fremdengesetzgebung in der österreichischen Monarchie (1750-1867), Wien 2000.&lt;/span&gt;&lt;/div&gt; &lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; &lt;span style="font-weight: bold;"&gt; &lt;div style="text-align: justify;"&gt;&lt;span style="font-weight: normal;font-size:85%;" &gt;[18] Simmel, Georg : Der Raum und die räumlichen Ordnungen der Gesellschaft, in: Soziologie – Untersuchungen über die Formen der Vergesellschaftung [1908], Olaf Rammstedt (Hg.): Gesamtausgabe, Frankfurt a. M. 1992, S. 614-708. – Luhmann, Niklas: Soziale Systeme – Grundriss einer allgemeinen Theorie, Frankfurt a. M. 1984. – Fèbvre, Lucien: „Frontière“ – Wort und Bedeutung [1928], in: Ders.: Das Gewissen des Historikers, hg. v. Ulrich Raulff, Berlin 1988, S. 27-37. &lt;/span&gt;&lt;/div&gt; &lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; &lt;span style="font-weight: bold;"&gt; &lt;div style="text-align: justify;"&gt;&lt;span style="font-weight: normal;font-size:85%;" &gt;[19] Sibley, David: Geographies of Exclusion – Society and Difference in the West, London 1995. – Eine thematisch und wissenschaftstheoretisch strukturierte Bibliographie vor allem über die Grenzthematik in neueren Arbeiten bei Seifarth, E.: Auswahlbibliographie, in: Stauber, Reinhard; Schmale, Wolfgang (Hg.): Menschen und Grenze in der Frühen Neuzeit, Berlin 1998, S. 304-344.&lt;/span&gt;&lt;/div&gt; &lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; &lt;span style="font-weight: bold;"&gt; &lt;div style="text-align: justify;"&gt;&lt;span style="font-weight: normal;font-size:85%;" &gt;[20] Osterhammel, Jürgen: Kulturelle Grenzen in der Expansion Europas, in: Ders. (Hg.): Geschichtswissenschaft jenseits des Nationalstaats, Göttingen 2001, S. 203-239.&lt;/span&gt;&lt;/div&gt; &lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; &lt;span style="font-weight: bold;"&gt; &lt;div style="text-align: justify;"&gt;&lt;span style="font-weight: normal;font-size:85%;" &gt;[21] Foucault, Michel: Räderwerke des Überwachens und Strafens, in: Ders.: Mikrophysik der Macht – Über Strafjustiz, Psychiatrie und Medizin, Berlin 1976, S. 31-47. – Ders.: Die gesellschaftliche Ausweitung der Norm, in: Ders.: Mikrophysik der Macht – Über Strafjustiz, Psychiatrie und Medizin, Berlin 1976, S. 83-88. – Ders.: Überwachen und Strafen – Die Geburt des Gefängnisses, Frankfurt a. M. 1977.&lt;/span&gt;&lt;/div&gt; &lt;/span&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/22741260-114114067647788304?l=border-patrol0.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/22741260/posts/default/114114067647788304'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/22741260/posts/default/114114067647788304'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://border-patrol0.blogspot.com/2006/02/2-forschungsstand.html' title='2. FORSCHUNGSSTAND'/><author><name>-</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-22741260.post-114064089636253412</id><published>2006-02-23T18:39:00.000-08:00</published><updated>2006-02-28T07:30:27.650-08:00</updated><title type='text'>3. QUELLENBESTAND UND -BEURTEILUNG</title><content type='html'>&lt;div style="text-align: justify;"&gt;&lt;dl style="font-weight: bold;" compact="compact"&gt; &lt;dt&gt;3&lt;/dt&gt; &lt;dd&gt;Quellenbestand und -beurteilung&lt;/dd&gt;&lt;dt&gt;&lt;br /&gt;&lt;/dt&gt;  &lt;/dl&gt;Die zur inhaltlichen Erschliessung des skizzierten Themas verwendeten ungedruckten Quellen stammen zum einen aus dem Schweizerischen Bundesarchiv (Bar), zum anderen aus den Staatsarchiven Basel-Stadt (StaBS) und Luzern (StaLU). Die Benutzung des Bundesarchivs für diese Thematik ist unumgänglich, da dort alle verwaltungsinternen Dokumente der bundesstaatlichen Behörden aufbewahrt werden. Die Staatsarchive Basel-Stadt und Luzern erfüllen dieselbe Aufgabe auf der Ebene der kantonalen Verwaltungen. Damit wird deutlich, dass die benutzten Quellen ausschliesslich die Optik der „obrigkeitlichen Informations- und Kontrollbedürfnisse“ umfassen.[22]&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Im Bundesarchiv sind drei Bestände verschiedener behördlicher Stellen themenrelevant.[23] Sie fallen unter die Abteilung E: „Archiv des Bundesstaates ab 1848“. Unter der Signatur E 21 sind die Akten des Polizeiwesens von 1848 bis 1930 nach dem Pertinenzprinzip archiviert. Darin ist der Hauptteil der Akten über Zigeuner erfasst. Die verwaltungsinternen Dokumente befassen sich hauptsächlich mit Streitfällen der gesetzlichen und faktischen Vorgehensweise gegen Zigeuner sowie mit Berichten und organisatorischen Details. Diese Schriftstücke sind mitunter sehr subjektiv gehalten und besitzen dadurch einen hohen Wert für die mentalitätsgeschichtlichen Hintergründe zur Entstehung einer nationalen Grenzpolitik. Korrespondenzen mit Kantonen und diplomatischen Vertretungen im Ausland haben partiell anweisenden oder beratenden Charakter. Die stenographischen Verlaufsprotokolle der Jahreskonferenzen der kantonalen Polizeidirektoren zeigen die Schnittstellen der Kompetenzbereiche von Staat und Kantonen auf. Der Bestand E 11 umfasst das Zollwesen zwischen 1849 und 1896. Davon sind vor allem arbeitstechnische Dokumente wie Dienstreglemente, Inspektionsvorschriften oder Ausrüstungsfragen in die Arbeit eingeflossen. Die Akten zum Militärdepartement mit der Signatur E 27 enthalten einerseits Verordnungen und Bundesratsbeschlüsse, andererseits armeeinterne Korrespondenzen, die ebenfalls unter thematischen Gesichtspunkten archiviert wurden. Erstere bilden die juristischen Rahmenbedingungen sowie die Anstösse, die zu Veränderungen der bestehenden Verordnungen und Gesetze führten. Berichte von lokalen Truppeneinheiten und Inspektionen vermitteln einen Eindruck von den alltäglichen Grenzbewachungsproblemen. Zudem sind in den Berichterstattungen an das Armeekommando die numerischen Angaben zur Heerespolizei und zur Freiwilligen Bewachungstruppe aufgeführt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Archivalien der Staatsarchive zum vorliegenden Thema erweisen sich vor allem in mikrohistorischer Hinsicht als interessante Dokumente. Im Staatsarchiv Basel-Stadt sind zahlreiche Polizeirapporte von Vorfällen mit Personen überliefert, die von den Beamten als Zigeuner klassifiziert wurden. Diese Meldungen zeigen einerseits, wie die polizeilichen Organe in ihrer Berufsausübung gegen Zigeuner vorgingen und welche Vorstellungen diesen Interventionen zugrunde lagen. Andererseits decken diese Texte die Bedeutung der kantonalen und nationalen Grenze im polizeilichen Vorgehen gegen Zigeuner auf. Neben den Polizeirapporten sind vorwiegend Kreisschreiben des JPD an die Polizeidirektionen der Kantone archiviert. Für das Staatsarchiv Luzern existieren zusätzlich Weisungen des kantonalen Polizeihauptmanns an die einzelnen Polizeibeamten, wie beim Auftreten von Zigeunern vorzugehen sei.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die gedruckten Quellen setzten sich überwiegend aus Geschäfts- resp. Verwaltungsberichten zusammen. In diesen Berichten wurden ausgewählte Vorfälle des Jahres resümiert und statistische Angaben zum Personalbestand und zur Tätigkeit aufgelistet. Im jährlichen Geschäftsbericht des Bundesrates für die Zollabteilung des Finanz- und Zolldepartements finden sich Angaben über Aufgaben, Personal und Finanzen. Für die Geschäftsberichte der Polizeiabteilung des Justiz- und Polizeidepartements liegen neben häufigen Klagen über die unerwünschten Zigeuner auch Bestrebungen zu einer Vereinheitlichung des Vorgehens gegenüber einreisenden Zigeunern vor.[24]&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;------------&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-size:85%;"&gt;[22] Witschi, Peter: Minderheiten: Nichtsesshafte unter Sesshaften, in: Hugger, Paul (Hg.): Handbuch der schweizerischen Volkskultur, Zürich 1992, Bd. II, S. 837-846, hier S. 837.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-size:85%;"&gt;[23] Einen generellen Überblick bietet die „Systematische Beständeübersicht“ des Schweizerischen Bundesarchivs (Hg.), Bern 1991, das von C. Graf et al. bearbeitet worden ist; darin: Polizeiwesen S. 109ff., Zollwesen S. 166, Landesverteidigung S. 121.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-size:85%;"&gt;[24] Nicht nur in der Zigeunerfrage liessen sich starke Vereinheitlichungstendenzen feststellen, so etwa auch bei Währung und Gewicht, im Telegraphen- oder Postwesen. – Greyerz, Hans von: Der Bundesstaat seit 1848, in: Handbuch der Schweizer Geschichte, Zürich 1977, Bd. II, S. 1019-1268, hier S. 1028.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/22741260-114064089636253412?l=border-patrol0.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://border-patrol0.blogspot.com/feeds/114064089636253412/comments/default' title='Post Comments'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=22741260&amp;postID=114064089636253412' title='0 Comments'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/22741260/posts/default/114064089636253412'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/22741260/posts/default/114064089636253412'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://border-patrol0.blogspot.com/2006/02/3-quellenbestand-und-beurteilung.html' title='3. QUELLENBESTAND UND -BEURTEILUNG'/><author><name>-</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry></feed>
